F-Guru IV

Nach dem ersten Seminartag waren wir nicht mal mit einer Sendung durch, hatten aber unglaublich viele Freunde von Herrn Weu kennengelernt, mit ihnen gelitten und passende Lebensweisheiten dazu erfahren. MUCH SHOW, NO BLOW – auch so ein Sinnspruch, der mir seltsamerweise gerade jetzt ins Bewußtsein kommt.

Auch der zweite Tag verlief dank Weus Entscheidung seminarstrukturelles Niemandsland zu beschreiten analog dem ersten.

Hauptkritikpunkt an diesem Tag: In einem unserer Beiträge über männliche Geschlechtshormone, ihre nachlassende Produktion im Alter und die Schwierigkeiten, die sich daraus ergeben, war als Trenner immer wieder ein balzender Pfau geschnitten worden. Herr Weu empfand es als eine Unverschämtheit so etwas zu tun. Wir sollten bedenken, was den Protagonisten mit solcher Effekthascherei angetan würde…

Nur ein paar Minuten später wurde uns von Herrn Weu vor Augen geführt, wie ein Beitrag stattdessen idealtypisch auszusehen hat. Weu schwärmte von einem Film über einen Taxifahrer, der trotz großer Schmerzen im Bein nicht zum Arzt ging, weil er Angst hatte dann nicht mehr Fahren und damit das Geld für die Versorgung von Frau und Kindern verdienen zu können. Schließlich werden die Schmerzen so schlimm, dass er doch geht. Aus irgendeinem Grund (ich hab´die Details vergessen) ist ein Kamerateam dabei. Nun die „grandiose“ Szene: Der Taxifahrer bekommt vor laufender Kamera die Diagnose, dass sein Bein nicht mehr zu retten ist. Es muss amputiert werden. „Das war toll – ganz toll!“ so Weu. „Der Taxifahrer wird dadurch, dass seine Geschichte gedreht und innerhalb eines Films verarbeitet wird, der Isolation seiner Krankheit enthoben. Und dass es ein Quotenknaller ist, na darüber muss man wohl nicht sprechen.“

Hallo! Wie krank ist das denn? Ein Reporter, der skrupellos genug ist eine solche Szene zu drehen, um sie später Millionen anonymer Zuschauer anschauen zu lassen, hat meinem Empfinden nach den falschen Job gewählt. Und exakt dasselbe gilt auch für Herrn Weu.

Naja, das Seminar war irgendwann zu Ende und wie ich schon zu Beginn sagte: Es gibt eigentlich keines, das mir im Nachhinein als vollständige Zeitverschwendung vorgekommen ist. Selbst, wenn es vor allem dazu gedient hat, etwas über Fernseh-Gurus zu lernen.

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