Fernseh-Gurus – oder das Seminar von Herrn Weu

„Guru“ ist ein religiöser Titel für einen spirituellen Lehrer. So steht es in Wikipedia und so ähnlich auch in anderen Nachschlagewerken. Fernseh-Guru ist also eigentlich paradox, denn es geht hier nicht um Prediger, die via Mattscheibe ihre Schäfchen berieseln – obwohl die sicher auch mal einen Artikel verdient hätten.

Ich bin überzeugt, dass es Gurus nicht nur im Hinduismus oder Buddhismus gibt, und dass sie nicht mal auf die Religion beschränkt sind. Es gibt sie in vielen Bereichen des täglichen Lebens. Sie begegnen uns in der Werbung, im Beruf oder auf der Straße. Allen gemein ist, dass sie uns etwas vermitteln wollen, dass sie lehren möchten, damit wir bessere Produkte kaufen, unseren Job schneller erledigen oder ganz allgemein unser Leben gekonnter in den Griff bekommen. Um einen solchen Guru geht es mir.

Im Fernsehjournalismus gibt es eine ganze Menge von ihnen. Und mit einem besonders selbstgefälligen hatte ich es zu tun.

Seminare sind eine gute Sache. Es gibt eigentlich keines, das mir im Nachhinein als verschwendete Zeit vorgekommen wäre. Ich hatte mal wieder Gelegenheit an einem teilzunehmen und hab mich drauf gefreut. Insbesondere weil es eine echte Granate sein sollte, die mir und den anderen Teilnehmern da die Ehre erwies.

Ein Seminar beginnt in der Regel wie ein Fussballspiel zweier etwa gleichstarker Teams. Vorsichtiges Abtasten der beiden Mannschaften, in diesem Fall Leiter und Teilnehmern. Die Teilnehmer gehen erst mal in die Defensive und lassen den Leiter kommen. Wie ist er drauf, wie klingt seine Stimme, hat er Marotten und vor allem: was hat er zu sagen. Ich will in diesem ersten Teil meiner Seminarkritik auf die Marotten eingehen.

Walther Weu (so möchte ihn mal nennen – ist natürlich nicht sein richtiger Name) hatte viel zu bieten. Schon nach den ersten Minuten zeigten sich Stereotypen, die mir eine Freude waren zu verfolgen. So hatte er die Angewohnheit den letzten Teil seiner Sätze zu wiederholen.

„Leute, die keinen Sport treiben, sollten den 10fachen Krankenkassensatz zahlen – Krankenkassensatz zahlen.“

„Sitzen auf der Couch, wenn´ s Telefon klingelt und sagen einen schönen Gruß – einen schönen Gruß.“

„Wenn meine Frau ihre Tage hat, hab ich auch meine Tage – auch meine Tage.“

Wenn ich die durchaus interessanten inhaltlichen Ansätze zunächst außen vor lasse, führte dieses Wiederholen dazu, dem Seminarraum eine Art Höhlenstimmung zu verleihen. Es war wie ein Echo – nur dass der Hall fehlte. Beklemmend war es trotzdem irgendwie.

Herr Weu neigte außerdem zu erschöpfenden Monologen an deren Ende er uns Zuhörern ein schnelles, huddeliges „oder“ zuwarf, das aber auf keinen Fall als Anregung zum Widerspruch fehlgedeutet werden konnte. Schon, weil er anschließend sofort weitersprach.

Im Laufe der Monologe sammelten sich in seinen Mundwinkeln kleine weiße Spucketröpfchen. Sie schienen von cremiger Konsistenz und waren vermutlich Folge der heftigen und schnellen Mundbewegungen während des Monologisierens. Wahrscheinlich wurden die im Speichel enthaltenen Proteine durch Zähne und Lippen schaumig geschlagen und blubberten dann nach Draußen. Ein ähnliches Phänomen ist übrigens bei Trampeltierhengsten zu beobachten. Sie kauen und knirschen so heftig mit den Zähnen, dass sich dicke Schaumnester in ihren Mundwinkeln bilden. Schaumbildner sind auch hier die Proteine. Sieht aus wie Tollwut, hat aber wohl das Ziel, Frauen zu beeindrucken (oder war es, um anderen Männern zu zeigen, wer der Chef ist). Was Walther Weu mit dem Mundwinkelschaum bezweckte und ob er überhaupt einem Zweck dienen sollte – ich weiß es nicht.

Um Echo und Mundwinkelschaum besser verdauen zu können, eine Pause – oder? Und nächstes Mal dann mehr zu den inhaltlichen Aussagen …

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