Urlaub – II

Da war sie wieder die Sache mit den Hölzchen und den Stöckchen…

Also, wo war ich stehengeblieben? Bei meinem Freund, dem Einwegrasierer und der Kombination aus beidem. Wir fuhren also mit dem alten Suzuki durch Belgien, überquerten mit Hilfe einer Fähre die Nordsee, quälten uns durch den englischen Linksverkehr und erreichten schließlich das wundervolle Irland.

Weil die Benzinpreise schon damals für  meine Verhältnisse fast unerschwinglich waren, ich aber vor allem auch aus Umweltschutzgedanken ein beinahe militanter Spritsparer war, hatte ich bereits kurz nach meiner Fahrprüfung eine besondere Fahrweise entwickelt. Bergauf fuhr ich zwar langsam (was mir den Spitznamen Teerblase einbrachte), aber mehr oder weniger normal. Sobald ich jedoch den Scheitelpunkt einer Anhöhe erklommen hatte, ließ ich mein Auto bergab rollen. Die Regel „nimm den Gang zum Runterfahren, den du auch zum Hochfahren genommen hast“ erschien mir sehr kurz gedacht.  Ich kuppelte also aus und, um auch den Leerlaufverbrauch des Motors zu sparen, drehte ich in der Regel auch den Zündschlüssel und schaltete den Motor ab. Geräuscharm und sauber konnte ich so bei entsprechendem Gefälle minutenlang dahinrollen. Am Ende der Gefällstrecke schaltete ich die Zündung wieder ein (natürlich ohne den Anlasser zu belästigen) und mit einem kleinen Hopser beim Einkuppeln war der Motor wieder an. Problematisch wurde dieses Verfahren erst bei meinem ersten Wagen mit Servolenkung und Bremskraftverstärker – davon aber vielleicht ein andermal.

Der gute alte Suzuki war frei von jedwedem technischem Schnickschnack. Die Lenkung war hart aber gerecht und zum Bremsen brauchte man eben ein bisschen Kraft. Da die irische Landschaft vollgestopft ist mit Hügeln, hatte ich reichlich Gelegenheit das Auskuppeln, Ausschalten und Rollen zu praktizieren. Mein Freund war sichtlich beeindruckt, ökologisch mindestens ebenso verantwortungsvoll wie ich und übte sich deshalb auch im benzinfreien Fahren. Nun reichte es ihm nicht mir nachzueifern, nein, kahlgeschoren wie er war, wollte er mich wahrscheinlich noch toppen und zog auf einer der Gefällstrecken an der irischen Westküste auch noch den Zündschlüssel ab. Für den Spritverbrauchs bringt das ja nun nicht viel, es hat aber einen sehr schlichten und doch entscheidenden Nachteil. Schon bei einer leichten Lenkbewegung rastet das Lenkradschloss ein. Und das kann auf einer kurvigen Gefällstrecke ohne rechte Fahrbahnbegrenzung durchaus Probleme machen.

Ich will diejenigen, die dies hier lesen, nicht zu lange auf die Folter spannen – ja , ich habe überlebt! Und mein Freund auch! Wir haben es sogar ohne Unfall geschafft. Hatten zwar ein bisschen Glück, dass kein Auto kam, da wir kurzfristig die Gegenspur mitbenutzten. Doch rechtzeitig vor dem Sturz in den Graben führten wir Schlüssel und Schloss wieder zusammen und beendeten so die ungewohnt starre Haltung unserer Lenkung…

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Veröffentlicht in Privat!
2 comments on “Urlaub – II
  1. kuddels sagt:

    Herrlich geschrieben!!!Bin richtig mitgefahren!

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